• Anna Hupe

Wolkentage - eine Wortreise durch trübe Tage


Gestern hingen die Wolken schwer über unserem Haus hier in Finnland. Und nicht nur über unserem Haus, auch mein Herz war schwer. Und das nicht zum ersten mal. Ich kenne sie gut, diese wolkenschweren Tage. Nicht nur von meinen Klienten, auch aus eigener Erfahrung. Gerade auch jetzt, wo der baldige Abschied von Finnland ansteht. Und ich habe gelernt, dass diese Tage mein Leben bereichern. Dass sie Geschenke bereithalten, wenn ich sie nehme wie sie sind.

In diesem Text lade ich dich ein in eine kleine Reise durch so einen Wolkentag. Eine kleine klangvolle Wortreise. Inspiriert wieder einmal durch die Natur und die Bilder, die sie uns schenkt.




Wolkentage

Wolkenschwer hängen diese Tage über unserem Kopf, unserem Herzen, unserer Seele. Trüb, bekümmert, bedrohlich, dunkel, bedrückend. Wir wirken so klein ob dieser Wolken. So hilflos, schwach, ducken uns. Wollen vielleicht am liebsten wegrennen. Doch in welche Richtung?

Und was, wenn die Wolken hinterherkommen....


Wir können versuchen, sie wegzupusten. Uns anstrengen, sie beschimpfen, sie verfluchen, sie hassen! Doch das juckt sie nicht.

Wir können versuchen, nach ihnen mit Pfeil und Bogen zu schießen, sie zum Verschwinden zu bringen. Doch die Pfeile können ihnen nichts tun.

Wir können versuchen, sie zu ignorieren. So tun als wäre ein wunderbarer Sommertag. Uns Badesachen rausholen und mit einem leckeren Eis in den Garten legen. Doch die Kälte holt uns ein. Kriecht in uns rein und das Eis macht es nur noch schlimmer.

Wir können versuchen, uns zu verstecken. Ganz zu verkriechen, wo uns keiner findet. Vielleicht nicht einmal mehr wir selbst... Doch dann packt uns plötzlich die Angst, dass die Wolken uns doch finden, immer größer werden. Uns in unserem Versteck erdrücken, verschlucken und vielleicht nie wieder ausspucken...





Oder wir können uns in sie einhüllen. In die Wolken. In ihre Weichheit. Und ihre Weisheit. Sie kennenlernen, uns unterhalten. Sie fragen, warum sie da sind. Was ihre Botschaft ist. Was sie für uns mit sich herumtragen.

Sie wollen uns nichts Böses. Vielleicht wollen sie uns einfach mal behüten. Uns einbremsen und uns zu uns selbst bringen.

Wenn wir diese Einladung annehmen, still zu werden, zu lauschen, zu schauen und einfach diese Wolken wahrzunehmen, dann werden Wolkentage zu Tagen mit uns selbst. Zu einem Begegnungstag.

Einem Tag, an dem wir uns liebevoll einen Tee oder Kaffee kochen und uns einhüllen in eine warme Decke. Still werden. In uns reinspüren, uns umsorgen und liebevoll mit uns sind.




Nicht kämpfen, ignorieren, uns verstecken - sondern annehmen und einfach atmen. Tief atmen. Und spüren. In die Wolken hinein. In das, was sie für uns tragen.

Vielleicht ist es ein Schmerz, eine Sehnsucht, eine Angst oder Trauer...


Nimm es für einen Moment in deine Hand. Wie einen kleinen Vogel. Wiege es, fühle es. Vielleicht kommen Tränen, dann lass sie fließen. Vielleicht kommen Worte, Bilder, Farben, oder eine Bewegung. Dann drück sie aus. Lass sie raus. Geb dich ihnen hin, verbinde dich mit ihnen. Verbünde dich.

Und wenn du merkst, dass genug gekommen ist, dann übergib das, was noch da ist wieder den Wolken. Voller Vertrauen, dass sie es weitertragen für dich.

Puste es sanft von deiner Hand in den Himmel, in die Wolken und schick deinen Atem hinterher. Spüre dich noch einmal in sie rein, die Wolken, in ihren Rhythmus, ihr sanftes über den Himmel-Ziehen.


Dann wirst du sehen, wie sie mit der Zeit ganz von allein kleiner werden, vielleicht sogar ganz verschwinden. Und die Sonne nach und nach wieder hervorkommt. Und der blaue Himmel. Blauer und kraftvoller als je zuvor. Du wirst die Sonne neu wahrnehmen. Leuchtender, noch strahlender und wärmer. Die Farben um dich herum. So bunt.

Voller Glück und tiefer Dankbarkeit wirst du das wahrnehmen. Weil du bei dir bist. In dir bist. Dir ganz begegnet bist.

Und dann brauchst du keine Angst mehr haben, dass sie wiederkommen. Die Wolken. Und das, was sie für dich tragen. Sie sind ein Teil vom Leben, von deinem Leben. Und sie werden wiederkommen.

Doch dann bist du bereit. Und es wird ganz anders sein. Du weißt schon genau, wo die Decke liegt. Und die gemütlichen Kissen. Und vielleicht hast du dann beim nächsten Mal zur Tasse Tee auch eine Praline parat. Weil du schon vorbereitet bist. Auf diesen deinen Wolkentag.





Ich wünsche dir: Sei liebevoll mit dir bei deinem nächsten Wolkentag. Und wenn du eine Reisebegleitung brauchst für deine Wolkentage, dann melde dich bei mir.


Deine Anna von luonnontaika