• Anna Hupe

Mit der Natur atmen



Unser Atem ist immer für uns da. Nur selten nehmen wir ihn bewusst wahr. Zuverlässig versorgt er uns mit frischem Sauerstoff . Er kommt und geht, ganz automatisch. "Mein Atem geht ruhig und gleichmäßig. Es atmet mich" so lautet die Atemformel im Autogenen Training, bei der das Vertrauen auf den eigenen Atem und die Kraft dahinter gestärkt werden soll. Das Bewusstwerden unseres Atems ist wie ein Anker, den wir setzen. Wenn wir uns auf unseren Atem konzentrieren, dann kehren wir sofort in ein Gewahrsein des Moments zurück. Wir fokussieren uns und alles, was um uns herum geschieht, tritt in den Hintergrund.

Daher sind Atemübungen hilfreiche Übungen, um uns zu erden, um Stress zu reduzieren und Abstand zur Äußeren Welt zu bekommen. Gleichmäßiges tiefes Atmen kann Angst reduzieren, unseren Körper tief entspannen und beruhigen.




Die heilsame Luft des Waldes

Atemübungen in der Natur vertiefen diese positive Wirkung der Atmung noch einmal, da wir mit jedem Atemzug die in der Luft gelösten Terpene (Phytonzide) aufnehmen. Diese von den Bäumen und Pflanzen ausgestoßenen Duftstoffe besitzen nachweislich antibakterielle und schmerzlindernde Wirkung. Sie regen unsere körpereigenen Abwehrstoffe an, führen zu einer allgemeinen Entpannung, indem sie Stresshormone reduzieren und das Herz-Kreislaufsystem regulieren.


Gut geerdet

Such dir einen schönen Platz in der Natur. Einen Platz, an dem du dich wohl fühlst und in Ruhe stehen kannst. Stell dich so hin, dass du den Boden gut unter deinen Füßen spüren kannst, dass du einen sicheren und festen Stand hast. Nimm den Boden unter dir wahr. Wie fühlt er sich an. Spür die Kraft der Erde unter dir, die dich trägt. Nun schau dich um. Wo stehst du hier? Was gibt es alles zu entdecken um dich herum? Bestaune die Vielfalt der Natur, diese sich immer erneuernde Kraft, die gerade jetzt im Frühling so deutlich spürbar ist. Hörst du die Vögel um dich herum zwitschern?

Der Atem fließt

Und nun konzentriere dich auf deine Atmung. Wie der Atem ein und ausströmt. Nimm wahr, wie die frische Luft deine Lungen durchflutet. Nimm die Temperatur der Luft war. Ist sie warm oder kalt. Wie ist ihre Qualität für euch? Erfrischend, angenehm, feucht, trocken, kühl?

Und nun stell dir vor, dass in der Luft ganz viele unterschiedliche Stoffe und Qualitäten vorhanden sind. Gerade in der Natur oder in der Nähe von Bäumen und Pflanzen ist die Luft besonders positiv angereichert - oder auch nach einem Regenguss.


Einatmen - empfangen - Ausatmen - geben

Stell dir nun vor, dass du aus der Luft genau die Qualität dir nehmen kannst, die du gerade brauchst. Zum Beispiel die Qualität des Frühlingserwachens, des Wachsens, der Erneuerung, Energetisierung, Frieden, Heilung, Glück, Fruchtbarkeit, Liebe, Vertrauen... Lass dich intiutiv leiten, welche Qualität du heute besonders einatmen möchtest. Vielleicht bittest du auch die Natur um dich herum, dir genau die Qualität heute zu schenken, die dir gut tut.

Und nun stell dir in einem weiteren Schritt vor, dass auch du der Natur etwas schenken kannst mit deinem Ausatmen. Was mag das sein? Dankbarkeit, Liebe, Zuneigung, Heilung.... Und nun atme so eine Weile:

Einatmen - Geschenk von der Natur z.B. Vertrauen - ausatmen - Geschenk von dir, z.B. Dankbarkeit. ein: Vertrauen - aus: Dankbarkeit.

Um die Übung zu verstärken, kannst du auch eine Geste zur Unterstützung der Worte machen... Beim Einatmen breite die Arme aus, nimm die gewünschte positive Energie aus dem Wald empfangend mit den Armen auf und führe sie zu deinem Körper. Beim Ausatmen schick dein Geschenk mit einer unterstützenden Geste der Arme in die Natur. Du kannst aber auch ganz intuitiv deine Arme sich bewegen lassen im Rhythmus des Ein-und Ausatmens.


Rückkehr in normalen Atemfluß

Verweile so lange in der Übung wie du magst. Lass dann den vertieften Atem wieder ruhiger und in seinem normalen Rhythmus fließen. Nimm wahr, was sich in deinem Körper verändert hat. Wie fühlt er sich an? Wie geht es dir. Schau dich noch einmal um, was um dich herum ist. Vielleicht empfindest du auch deine Umgebung nun anders. Nimm alles mit dankbarem Blick in dich auf und schenke dir und der Natur noch ein Lächeln.


Dankbarkeit und Verabschiedung

Bevor du weitergehst, nimm die Hände noch einmal wie in Gebetshaltung vor deinem Körper zusammen und bedanke dich noch einmal für das Geschenk, das du empfangen hast. Du kannst dies auch laut tun. Verbeuge dich vor der Natur und vor dir selbst. Verabschiede dich von deinem Platz und setze deinen Spaziergang fort.


luonnontaika 🌿